Ausgedruckt

In einer meiner Anstellungen gab es einen Kunden, der wollte von dem Produkt, welches wir ihm netterweise verkauften, alle Unterlagen ausgedruckt in Papierordnern ausgehändigt bekommen. Für jedes einzelne, in zweifacher Ausfertigung. Wir hatten dazu einen Drucker zur Verfügung. Dieser war deswegen tagelang nicht in der Lage, andere wichtige Unterlagen auszudrucken. Die Firma stand still.

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Versuchung

Manchmal wird man in Versuchung geführt, etwas wider besseren Wissens zu tun. So erging es mir heute auch. Es handelte sich um eine Aufgabe in einem Projekt, die mein Vorgesetzter für nicht richtig deklarierte und demnach sowohl er als auch ich diese Aufgabe nicht wahrnehmen sollen. Da es wohl sehr eng ist in dem Projekt, erhielt ich einen Anruf von der Projektleitung und dem nächst höheren Manager. Ich erkannte schnell, dass sie an meine Gutmütigkeit appellieren wollten. Sie haben da aber etwas an mir nicht verstanden. Wenn ich fachlich ein Problem lösen kann, mache ich das auf jeden Fall. Egal was mir aufgetragen wurde. Bei politischen Ränkespielchen bin ich aber raus. Daran beteilige ich mich nicht. Das Gespräch war schnell zu Ende, nachdem ich meinen Standpunkt klar gemacht hatte. Keine Pointe, kein Plottwist.

Kurzer Aussetzer

Wenn ich jetzt mehr darüber nachdenke, weiß ich gar nicht, was mich dazu getrieben hat, wie mir dieser unsinnige Gedanke hatte kommen können. Ich vermute ja stark, dass ich derartig tief eingebunden war, dass mein Kopf irgendwie eine Fehlschaltung hatte.

Vor zwei Tagen hatte ich einen harten Arbeitstag. Gegen Ende wollte ich nochmal im Intranet des Unternehmens etwas nachschauen. Dabei stolperte ich über ein Lesezeichen, das ich mir vor Jahren wohl wider besseren Wissens abgelegt hatte. BYOD – Bring your own device. Das ist eine Möglichkeit seine eigenen mobilen Geräte mit in das Firmennetzwerk einzubinden. Man hat dann Zugriff auf Kalender, Mails und Sharepoint, sprich, alles was mit dem MS Office 365 zu tun hat.

Wie bereits gesagt, ich habe immer noch keine Ahnung was mich trieb, aber ich installierte nach kurzem Blick in die Anleitung das entsprechende Profil auf meinem iPad. Zugegeben, es ist sehr einfach und schnell gemacht. Das kenne ich auch anders. Danach installierte ich aus dem Firmen-Appstore die entsprechenden Office Programme und fand das auf eine sehr eigentümliche Weise gut. Ab sofort hatte ich dauerhaft Zugriff auf meine Mails und Termine.

Ich könnte langatmig ausschmücken, wie mich jedes Entsperren des iPads runter zog, weil ich einfach nicht aus dem Arbeitsmodus entkommen konnte. Dabei habe ich genau das vor Jahren in mühseliger Anstrengung für mich gelernt und beibehalten. Aber jetzt sprangen mich immer direkt die Mailbenachrichtigungen an. Wenn in Deutschland niemand mehr im Büro ist, sitzen die Kolleg:Innen rund um den Globus in ihren Zeitzonen vor den Rechnern und versenden Mails, Termine und Dokumente.

Es hat nur ein paar Stunden gedauert bis mir klar war, dass ich das umgehend beenden muss. Selbst im Bett liegend wusste ich nach einem Blick auf das iPad, welche Mails ich morgen lesen und beantworten musste. Das ist kein Zustand. Am nächsten Morgen deinstallierte ich sofort und ohne innerlichen Einspruch das Firmenzertifikat und alle damit verbundenen Programme.

Seitdem frage ich mich ernsthaft, wer so etwas wirklich macht und auch genauso möchte. Ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Damit ist diese viel beschworene Work-Life-Balance vollkommen kaputt. Es gibt sie einfach nicht mehr. Vielleicht ist das etwas für Selbstständige, die komplett selber für sich verantwortlich sind und immer alle Informationen haben und verarbeiten müssen. Für mich als abhängig Angestellter eines größeren Unternehmens muss das ganz sicher nicht sein. Niemals und ganz und gar nicht.