Ausgedruckt

In einer meiner Anstellungen gab es einen Kunden, der wollte von dem Produkt, welches wir ihm netterweise verkauften, alle Unterlagen ausgedruckt in Papierordnern ausgehändigt bekommen. Für jedes einzelne, in zweifacher Ausfertigung. Wir hatten dazu einen Drucker zur Verfügung. Dieser war deswegen tagelang nicht in der Lage, andere wichtige Unterlagen auszudrucken. Die Firma stand still.

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Whitstable

Gestern war ein typischer Kofferpacktag. Wäsche wurde gewaschen, auf der Terrasse zum Trocknen rausgehangen, zusammengefaltet, in die Reisetasche gepackt und mehrmals die wichtigen Dinge für eine Reise nach England kontrolliert. Je nach Blickwinkel war einmal der Reiseadapter für den Stromanschluss enorm wichtig, oder eben Reisepass und Impfausweis. Wer hier welchen Blickwinkel gehabt hat, könnt ihr euch selber ausdenken.

Das mit dem Reisepass ist schon eine doofe Sache. Seit dem Brexit benötigt man den für Reisen nach England, bzw. Großbritannien. Die Teen ließ zwischenzeitlich verlauten, dass sie, wenn es ihr dort gefällt, sie gerne ein Auslandsjahr in England machen würde. Sie mag die Sprache sehr. Die ersten Informationen die ich dazu fand, waren, dass ein ganzes Jahr wohl durch den Brexit schwierig und teuer geworden ist. Man rät zu halbjährlichen Aufenthalten.

Na ja, bis dahin ist ja noch ein wenig Zeit, unbefriedigend ist das trotzdem. Den Teens heute in aller Frühe wären solche Informationen ziemlich egal gewesen. Es war ein fröhliches Durcheinander am Treffpunkt, obwohl das für gewöhnlich recht lang schlafende pubertierende Kind sehr zeitig aus dem Bett musste. Alle hatten gute Laune und schmiedeten den einen oder anderen Plan. Auch wurde die Frage diskutiert, ob denn die Lehrer tatsächlich die Smartphones abends einsammeln würden. Ich konnte die Teen etwas beruhigen, da die Kinder alle in Gastfamilien untergebracht sind, wird das mit Sicherheit eben nicht gemacht.

Die beiden Schulklassen sind in Whitstable und Herne Bay untergebracht. Beide Orte direkt an der See. Das Wetter scheint ja auch mitzuspielen, sodass der Aufenthalt unter einem guten Stern steht. Der Plan der Lehrer, was alles besucht und angeguckt werden soll, ist zwar ziemlich sportlich, aber auch hier vermute ich, wird man an der einen oder anderen Stelle ein Einsehen haben. Die Teen hätte gerne die Bakerstreet 221B in London besucht, aber dort kommen sie nicht hin. Das würde sie dann eben in ihrem Auslandsjahr machen, sagt sie.

Meter machen

Um Erfahrungen im Leben zu sammeln, muss man auch mal Meter machen. Meter in Form von Reisen, andere Orte besuchen, selber organisieren. Und manchmal auch alleine unterwegs sein. Das gilt sowohl für uns Erwachsene, als eben auch für Kinder. Beim Nachwuchs sind wir als Eltern ja gefordert, den Bewegungsradius stetig in einem passenden Maße zu erweitern. Eigene Erfahrungen sind durch nichts zu ersetzen. Wir haben das bei unserer Tochter, die bis vor 2 Jahren hier im Internet einfach nur Meter genannt wurde, natürlich auch gemacht.

Jetzt ist sie auf dem Weg als Teen zur jungen Frau zu werden. Es sind zwar noch ein paar Jahre, aber wir können es sehen und spüren. Sie wird erwachsen. In der Folge kommen da natürlich andere Wünsche und Erwartungen bei ihr, die wir dann, nun, aufnehmen und irgendwie bewerten müssen. Aber im Grunde ist da nicht viel für uns zu tun. Sie ist selber in Lage ihre Grenzen zu bewerten. Das konnte sie eigentlich schon immer. Ich erinnere mich da gerne an die Zeit, als sie Laufen lernte. In der Zeit sind Treppenstufe ja erst mal der Endgegner. Bevor sie versuchte eine Stufe herunter zu steigen, legte sie im Wohnzimmer Kissen auf den Boden. Dann stieg sie auf die Kissen und wieder herunter. Immer wieder. Wir haben uns damals gefragt, was sie da eigentlich macht. Später war uns klar: Sie hat Treppenstufen geübt.

Jetzt ist die nächste Stufe erreicht. Nach den langen Monaten ohne großartig Kontakte mit Gleichaltrigen, nach allen Einschränkungen der Pandemie, ist der Wunsch die Oma zu sehen gekommen. Das ist vollkommen verständlich. Eigentlich wäre es so, dass wir sie in eine Stadt fahren, in der sie dann von der Oma abgeholt wird. Aber sie mag keine lange Strecken mit dem Auto fahren, außer es lässt sich nicht vermeiden. Und sie nimmt das mit der Umwelt sehr ernst. Deswegen hat sie sich entschieden, die gesamte Strecke mit dem Zug zu bewältigen.

Das ist das erste Mal, dass sie eine so lange Strecke alleine zurücklegt. Sowohl auf der Hinfahrt, als auch auf der Rückfahrt muss sie einmal umsteigen. Wir haben uns natürlich darüber unterhalten was passieren kann. Zugverspätungen und Ausfälle, andere Wagenreihung, anderes Gleis und was es sonst noch so geben kann. Macht ihr alles keine Angst. Sie sagt, sie kann ja die Leute von der Bahn fragen, sie kann anrufen und sich bei uns Rat holen. Alles in allem ist sie überzeugt, die Fahrt zu bewältigen. Das sind wir auch. Vorsorglich haben wir das Ticket für die erste Klasse gebucht. In ihrem Alter ist das preislich zu verschmerzen.

Am Montag geht es los. Und es wird ein Schatz an Erfahrungen gehoben. Für die Tochter und auch für uns. Und ich hoffe, ich behalte die Nerven… 🙂