Ungewissheiten (5)

Ich oute mich heute als kapitalistischer Ausbeuter. Zumindest sind viele Menschen der Meinung, als VermieterInnen von Wohnraum ist man das per definitionem. Leider muss ich denen recht geben. Viele VermieterInnen sind genau das. Vor vielen Jahren haben wir das am eigenen Leib erleben dürfen. Durch einen mehr oder weniger glücklichen Umstand sind wir dann selbst zu VermieterInnen geworden.

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Atommüll

Der Name mag manch Entscheidungsträger:Innen täuschen, aber Atommüll ist nicht winzig klein. Und nach menschlichen Maßstäben gemessen, benötigen wir eine Mülltonne für die Ewigkeit dafür. Eine sehr, sehr dichte und möglichst unkaputtbare Mülltonne. Die aktuelle Berichterstattung über die Probleme, die Frankreich gerade mit der Kühlung bekommt, weil durch die Dürre nicht genügend Wasser verfügbar ist, erinnert mich an einen Beitrag auf ARTE zum Atommüllendlager.

Da ging es vornehmlich um Frankreich und ein Atommülllager unter der Erde. Frankreich hatte den Bau gestartet, es wurden Bilder der Tunnel gezeigt. Ja, sicherlich sehr beeindruckend, aber noch beeindruckender fand ich den Beitrag eines älteren französischen Wissenschaftlers dazu. Er hat sich beinahe lustig darüber gemacht, wie die Menschen denken könnten, dass sie unterirdisch etwas bauen könnten, das eine Ewigkeit halten soll. Seine Argumentation enthielt mehrere Aspekte die klar machten, dass es kein *Endlager* geben kann. Also, gar keins.

Unterirdisch ist aufgrund der Plattentektonik eigentlich nicht möglich. Niemand weiß wann es wo durch die Bewegungen anfängt zu rumpeln. Und wir leben in einer ruhigen Erdphase, was das angeht. Es kommen auch wieder andere Jahre und das können diese unterirdischen Kammern sicherlich nicht auffangen. Die Erde ist immer in Bewegung und es müssen dann kontinuierlich unterirdisch aufwendige Instandsetzungen durchgeführt werden. Und aufwändig ist hier nur ein anderes Wort für teuer. Teuer ist immer schlecht. Wer weiß, wie es dem verantwortlichen Staat morgen geht? Was, wenn schlicht kein Geld mehr da ist, wer übernimmt die Rechnung dann?

Die Argumentation des Wissenschaftlers betrachtete auch überirdische Lager. Seiner Meinung nach würde nur diese Sinn machen, wenn man überhaupt darüber nachdenken möchte. Diese Lager können immer wieder nach dem aktuellen Stand der Technik angepasst und verbessert werden. Allemal besser als etwas in der Erde nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“ zu verbuddeln. Aber auch hier kommt er wieder darauf zurück, dass heute niemand sagen kann, was morgen ist. Welche Regierung ist an der Macht? Was ist, wenn es wieder Kriege mitten in Europa gibt? Jetzt haben wir einen und das Ende und Ausmaß ist noch nichtmal in Sichtweite.

Die Gefahr der akuten Verstrahlung von Mensch, Tier und Natur ist einfach immens und nicht zu kalkulieren. Trotzdem sind viele Politiker, getrieben von Industrielobbyisten, immer noch der Meinung, Atomstrom sei eine gute Idee. Dass es nach all den Jahrzehnten immer noch kein Konzept, keinen Plan, keine Lösung für den Abfall gibt, dass Fukushima im Grunde überall sein kann, scheint kein wichtiger Grund zu sein.

Für mich sieht es so aus, dass wir der Gefahr von Atomkraftwerken ausgesetzt werden, weil sich Politiker von Schurkenstaaten mit Rohstoffen abhängig gemacht haben. Immer wieder und immer weiter in die Abhängigkeit. Die Gier war und ist zu groß. Die Stimmen derer, die davor frühzeitig gewarnt haben, wurden nicht gehört. Absichtlich, wie wir alle wissen. Ich sehe es nicht ein, die Zukunft meiner Kinder und Enkel weiter durch die Gier einiger Weniger zu gefährden. Atomstrom ist nur ein Komplex von vielen Themen, die dringend geändert werden müssen.

Prima Klima

Ich gehöre zu den Menschen, die sich in ihrem Leben bisher wenig bis gar nicht mit Naturwissenschaften beschäftigt haben und auch nicht mussten. Das ist vorbei. Na ja, es hätte eigentlich nie so sein dürfen, denn die Klimakatastrophe ist da und es passiert zu wenig.

Zugegeben, die Thematik „Klima“ ist nicht ganz so einfach, wenn man sich durch wissenschaftliche Texte und Studien arbeiten muss. Aber um grundsätzlich zu verstehen, wie die Zusammenhänge sind und wie sich bestimmte Stoffe verhalten und was sie tun, gibt es ein tolles Buch.

„Den Klimawandel verstehen“ von Harald Lesch, Cecilia Scorza und Katharina Theis-Bröhl ist dieses tolle Buch. Auf 159 Seiten gibt es alles, um die grundlegenden Dinge zu verstehen. Vollkommen erstaunlich dabei ist, dass diese Seiten keinesfalls dicht beschrieben sind. Das wäre ja zu vermuten, aber die Autor:Innen sind einen anderen Weg gegangen.

Jede Seite ist eigentlich zwei Seiten. Die linke Seite mit Sketchnotes, in denen die wesentlichen Punkte grafisch leicht verständlich dargestellt sind, die rechte Seite mit weiteren Informationen oder Erläuterungen. Das ist super gemacht und fördert das Verständnis.

Der thematische Aufbau ist derart, dass die Leser:Innen zuerst über die Funktionen und Zusammenhänge der Atmosphäre unserer Erde aufgeklärt werden. Es geht dann weiter in das Klimasystem, den Klimawandel, die Auswirkungen unseres Handelns und was wir (Einzelnen) tun können, sowie einen Ausblick in die Zukunft mit kommenden Technologien und notwendigen Maßnahmen.

Das Buch versucht die Leser:Innen nicht verzweifelt zurück zu lassen. Angesichts der politischen Entscheidungen dieser Tage fällt es zugegebener Maßen leider schwer. Und doch hat das Buch Hinweise und Vorgehensweisen parat, für die es sich weiter einzusetzen gilt. Ich ganz persönlich sehe dieses Buch im Zusammenhang mit dem Buch „Autokorrektur“ von Katja Diehl. Beide bieten substantiell Wege und Mittel, die Katastrophe doch noch abzuwenden / abzumildern.

Lest das Buch!

Bildung, aber sicher. Oder?

Liebe Leute, wir schreiben diesen Text an die Landesregierung. Ihr dürft ihn gerne kopieren, ergänzen oder verändern und auch an die Landesregierung schicken. Wir kennen aus dem Internet folgende E-Mailadressen, die sich als Empfänger eignen:

franziska.mueller-rech@landtag.nrw.de
kirstin.korte@landtag.nrw.de
jochen.ott@landtag.nrw.de
sigrid.beer@landtag.nrw.de

Sehr geehrte Damen und Herren,

unter dem Hashtag #BildungAberSicher äußern sich zahllose Eltern, Schüler und Lehrer im Internet zu den Umständen und Missständen, die aktuell aufgrund der Pandemie an den Schulen herrschen. Wir, hier als Eltern auftretend, fühlen uns von der Landesregierung NRW im Allgemeinen, von der Kultusministerin Gebauer im Speziellen, nicht wahrgenommen.


Seit spätestens März wissen wir um die Gefährlichkeit von Covid-19, wir hatten eine kurze Zeit der Schulschließung, um die Zahlen zu senken. Zwischenzeitlich konnten wir alle in anderen Ländern beobachten, was passiert, wenn die Schulen zu früh wieder in den Regelbetrieb gehen. Siehe Israel als stärkstes Beispiel. Nach den Pfingstferien begann man vorsichtig in kleinen Gruppen zu unterrichten, hatte versetzte Anfangszeiten. Die Zahlen sanken weiter.


Nach den Sommerferien ab in den Regelbetrieb. Wir Eltern und sicherlich auch Lehrer, standen recht fassungslos da. Fragen nach einem Plan B wurden abgewiegelt, einfach nicht beantwortet. Forderungen nach kleinen Gruppen, versetzten Anfangszeiten, wie sie schon einmal hilfreich waren, blieben ungehört, wurden brüsk abgewiesen, oder sogar verboten.


Die Zahlen steigen. Frau Gebauer steht beharrlich zu ihrer immer noch bereits nachweislich falschen Strategie. Das RKI, die Bundesregierung und sämtliche ernstzunehmenden Fachleute, raten etwas anderes, als die Landespolitik umsetzt.

Wie kann das sein? Was ist das Ziel?
Derweil schicken wir Kinder in Quarantäne, mal Klassen, mal einzelne, mal mit unmittelbaren Sitznachbarn. Die Kurse in der Oberstufen z.B. laufen weiter, die Kinder in Quarantäne dürfen daran nicht teilnehmen, sollen ab er die Klausuren wie gewohnt mitschreiben. Sie propagieren Chancengleichheit. Wo ist die denn bei einem solchen Vorgehen?

Wir Eltern fordern im Namen unserer Kinder:
Setzen Sie endlich die Hinweise des RKI für einen gesicherten Schulunterricht für alle um. Niemand redet von ausschließlich Distanzunterricht, aber: kleine Gruppen mit versetzten Anfangszeiten, ohne vermischten Unterricht, das muss doch drin sein! Nehmen Sie den Stress von den Kindern. Nehmen Sie endlich das Kindeswohl ernst. Die Kinder sind keine Maschinen, die einfach so funktionieren. Machen Sie die Hinweise des RKI zu einem neuen Normal, weil die Pandemie und das Virus uns noch lange Zeit in Atem halten werden.

Mit noch freundlichen Grüßen
Die entsetzen Eltern

Positionen

Ich versuche hier eine akzeptable Position zu finden. Eine, mit der ich, das Papier und die Tinte zurecht kommen. Es ist nicht einfach etwas auf das Papier zu bringen, wenn der eigene Schatten der Hand die Schrift verdeckt, die Spitze des Füllfederhalter in sich aufnimmt und das Werk nur erahnt werden kann.

Das ist der Nachteil dieser modernen Schreibtischlampe. Sie leuchtet nur einen kleinen Teilbereich schattenfrei aus. Ihr Spot möchte sich auf das naheliegende konzentrieren, aber meine Hand ist halt nicht das, was ich sehen möchte. Ich möchte das sehen, was im Schatten halb verborgen liegt. Dafür muss ich die Lampe hin und her rücken, ihr den Hals verbiegen, an dem der kleine Spot angebracht ist, um endlich zu sehen, was Kopf, Hand, Feder und Tinte auf das Papier fließen lassen.

Damit das einwandfrei funktioniert, steht sie nun beinahe an meiner Nase und leuchtet von der linken Seite das Papier aus. Das ist soweit ganz gut, aber unter einer ordentlichen Sichtfläche verstehe ich etwas anderes. Denn je weiter die Hand mit dem Text nach unten wandert, desto mehr Text gewordene Gedanken verschwinden oben wieder in den Schatten.

Ich fühle mich dabei wie einer dieser Schreiberlinge, die ihre Pamphlete in dunklen Kammern unter dem Dach, im Schein rußender, stinkender Kerzen verfassen mussten. Doch deren Problem damals war gewiss nicht die Position der Kerze, sondern die politische Position, die sie vertraten und in Traktaten auf Papier brachten.

Anders als diese, habe ich heute nicht zu befürchten, wegen der Offenlegung meiner eigenen Position am Galgen zu enden. Ich schiebe hier nur die Lampe hin und her und leuchte das Papier bestmöglich aus. So wie die Positionen der einfachen Antwortgeber heutzutage. Man muss sie ausleuchten, hinterfragen und mit der Wahrheit aus den Schatten treiben.

Von der Flamme der Kerzen hat sicherlich mal das eine oder andere Papier gebrannt, innere Hitze hat manchen Verteidiger der Freiheit an den Galgen gebracht, doch erst die menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus hat es fertig gebracht, innerhalb einer aufgeklärten Gesellschaft Menschen zu Millionen zu entrechten, verschleppen und am Ende zu ermorden. Vieles lag daran, dass die Positionen nicht klar bezogen wurden, die Schatten zu lange nicht ausgeleuchtet waren und wir uns als Gesellschaft damit zufrieden erklärten. Dann brannten die Bücher und mit ihnen die Freiheit als Gedanke in den Köpfen.

Damit das nicht wieder passiert müssen wir unsere kleinen Lampen zusammenbringen, sie gemeinsam in die dunklen Ecken scheinen lassen und die Positionen der sogenannten Patrioten, besorgten Bürgern und deren Vordenkern, sichtbar machen.

Keinen Fußbreit den Nazis.

Die CumEx-Files – Wie Banker, Anwälte und Superreiche Europa ausrauben. | CORRECTIV

 

über Die CumEx-Files – Wie Banker, Anwälte und Superreiche Europa ausrauben. | CORRECTIV

Außerdem kann man die Arbeit von Correctiv.org mit einem kleinen Beitrag monatlich unterstützen:

CORRECTIV ist das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum. Wir recherchieren langfristig zu Missständen in der Gesellschaft, fördern Medienkompetenz und führen Bildungsprogramme durch.

Sicherheit

Seit gestern ist sie wieder in aller Munde, die so oft bemühte Sicherheit. Immer dann, wenn etwas passiert, was außerhalb unserer eigenen Kontrolle geschieht, fühlen wir uns nicht mehr sicher. Es ist dabei so ziemlich egal was das genau ist. Gestern war es eben diese Geiselnahme in Köln.

Heute wird gefragt, ob denn unsere Bahnhöfe sicher seien. Ich kriege bei solchen Fragen immer Stirnfalten und eine zuckende Augenbraue. Natürlich sind sie nicht sicher. Die Architekten haben vielleicht alles getan, um das Unfallrisiko zu minimieren, aber gegen die Tat eines Menschen ist es schwierig alles abzusichern.

Deswegen ist es nirgends „sicher“. Wenn die Regierung und ihre Minister etwas von: „Wir müssen den Menschen Sicherheit garantieren und bieten“, dann würde ich sie gerne auf diesen Anspruch verklagen. Diese Garantie besteht allerdings nicht aus tatsächlicher physischer Sicherheit, sondern mündet meistens in irgendwelchen Überwachungssystemen. Der Grund ist einfach: Sicherheit kann nicht garantiert werden.

Sicherheit ist ein Gefühl, dass wir selber in einer uns angenehmen Umgebung fühlen. Zu Hause bei der Familie zum Beispiel. Auf einem Spielplatz mit spielenden Kindern. Aber selbst da haben Eltern mit Helikopter-Syndrom schon so ihre Schwierigkeiten. Ich persönlich betrete z.B. kein Fußballstadion. Das ist einfach nur eine Art der Risikominimierung für mich persönlich. Nicht aus Angst vor Anschlägen, sondern wegen der latenten Gewaltbereitschaft gewisser Fangruppierungen. Ich muss mich dem nicht aussetzen.

Aber jetzt wird man sicher wieder über Videoüberwachung, Eingangskontrollen, Gesichtserkennung usw… diskutieren. Selbst wenn man uns alle in vorbeugende Sicherheitsverwahrung nehmen würde, mit der nächsten Naturkatastrophe wäre diese Sicherheit wieder dahin. Wie viel Sicherheit jemand empfinden muss und welchen Risiken er sich aussetzt, entscheidet letztlich jeder selber.

Zum Begriff der Sicherheit lohnt sich ein Blick zur Bundeszentrale für politische Bildung.

Videoüberwachung: Seehofer hält flächendeckende Gesichtserkennung für möglich | ZEIT ONLINE

über Videoüberwachung: Seehofer hält flächendeckende Gesichtserkennung für möglich | ZEIT ONLINE

Aha, damit sich dann noch mehr Menschen aus Verzweiflung in ihren Zellen anzünden? Jeden zweiten Tag wird ein Mensch unrechtmäßig mit einem Verdächtigen verwechselt. Das ist der aktuelle Stand der Technik.

Angeblich geht es ja um unsere Sicherheit. Dabei geht es um Kontrolle, nicht um Sicherheit. Eine Überwachungskamera gibt mir nicht das Gefühl von Sicherheit, sondern Unbehagen. Und zwar massiv.