Ungewissheiten (2)

Eine der größten Ungewissheiten bei mir ist, ob ich etwas schreibe oder doch wieder an mir selbst scheitere. Meistens ziehe das Scheitern aus der Lostrommel des Texters. Bezogen auf den Anspruch, den ich vor vielen Jahren hinsichtlich der Schreiberei an mich stellte, ist es ein Versagen über Dekaden hinweg. Immerhin kommen gelegentlich einige Sätze aus meinem Kopf und finden ihren Weg in die Welt.

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Der ätherische Spiegel

Es gibt Menschen, denen ich nichts verzeihe, vor allem nicht ihre dunklen, schlechten Gedanken. Manchmal wünschte ich mir einen Stempel, den ich ihnen auf ihre Stirn hämmern kann. »Mit schlechten Gedanken versetzt«, wie auf Wasserflaschen, in denen mit Kohlensäure versetztes Wasser herumschwimmt. An einer unscheinbaren Stelle in ihren Körpern entstehen diese Gedanken, wie kleine Luftbläschen, steigen sie an den Wirbeln und Nerven empor, überwinden mit Leichtigkeit die Blut-Hirnschranke und setzen sich zuerst im Kopf fest. Dort verrichten sie ihr trügerisches Werk, sparkling und fröhlich, verwirren zuerst, spenden alsbald glaubhafte Gewissheit. In dunklen, klaren Nächten kann ich diese kleinen, schlechten Gedankenbläschen aus ihren Köpfen, aus ihrem Verstand, aufsteigen sehen und wenn dann keine Wolke am Himmel sie aufhält, entschweben sie bis in das All. Am Ende allen Schwebens fangen die ersten zackigen Bläschen an, im Gleichschritt durch die Galaxie zu marschieren. Eisiger Frost überzieht das Äußere und passt ausgezeichnet zum Inneren. Kälte und Dunkelheit bleibt, wo immer sie entlang marschieren. Am Scheitelpunkt, wo Schatten, Licht und das Nichts sich treffen, vereinen sie sich, schwellen an und glühen aus sich heraus. Wir gaffen mit unseren teleskopischen Blicken und träumen von entstehenden Galaxien, sterbenden Sternen und explodierenden Planeten, die am Ende wie bunter Nebel durch das Weltall ziehen. Als ich an der Reihe bin, zieht die Frau mit dem schicken weißen Kittel und der hübschen Haube eine Kugel aus dem Strom, der sich aus den Köpfen um mich herum ergießt, und legt sie mir auf die Zunge. Wasser, ohne Kohlensäure, spült sie gelangweilt in meine Speiseröhre. Zuerst sinkt sie gehorsam den schmalen Gang herab, windet sich dann und steigt mit einem bösen Kichern an meinen Wirbeln und Nerven wieder empor. In den Kopf, in den Verstand. Sparkling. Das Zimmer, so hell und weiß wie die nette Frau im Kittel mit Haube, nimmt mich auf und am Bett prangen in dunklem Braun die Lederbänder als schreiender Kontrast zum Rest der Welt. Ein letzter Blick durch die Tür zeigt mir ihre schwachsinnig grinsenden Gesichter, aus deren obersten Rundung weiter die Bläschen mit den dunklen, kalten Gedanken in die Welt entlassen werden. Ich lege mich hin, spüre noch kurz das Leder, wie es sich um meine Gelenke schließt und ahne, dass mein Gesicht in wenigen Sekunden denselben schwachsinnigen Ausdruck annehmen wird. Der Nebel kommt. Sparkling. Ich sehe mich dort liegen. Mein schwebender Weg wird durch die Zimmerdecke aufgehalten. Ich kann nicht weiter. Sie haben mich mit ihrer kleinen Kugel gefangen, gezähmt, still gemacht. Von oben sehe ich so friedlich aus. Ich bleibe einfach dort oben und gehe nicht mehr zurück. Dahin, wo die Wut wohnt, sich alles aufbäumt und Stempel auf Köpfe rammen möchte.

Vernachlässigt

Ich habe diese Seite hier nach dem Neuaufbau auf dem eigenen Server etwas vernachlässigt. Das ist kein Unwille oder Themenmangel, sondern mehr der Umstand, dass ich seit dem wieder viel mehr mit dem Stift auf Papier schreibe. Das ist auf der einen Seite sehr gut, weil ich dadurch sehr persönliche Themen und Gedanken manifestieren kann, auf der anderen Seite aber geht hier dann nicht mehr so viel weiter.

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Verbindung

Spitze eines Bleistiftes.

Es ist nicht so, dass es mir an Wörtern mangelt, aber nur mit Wörtern lässt sich nicht viel anfangen. Man kann sie zusammensetzen, sie hintereinander aufreihen, sie nebeneinander stellen, sie durcheinander würfeln und versuchen sie in eine Struktur zu zwingen, leider ergeben sie dann nicht immer einen Sinn. Es bleiben dann nur Wörter.

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Schreibgeräte

Im Laufe der Jahre habe ich natürlich mit verschiedenen Schreibgeräten auf unterschiedlichen Papierarten und Lineaturen geschrieben. Das ging mal gut, mal weniger gut und manchmal auch gar nicht.

Wenn ich mit einem Kugelschreiber versuche Wörter und Sätze lesbar auf Papier zu bringen, klappt das vielleicht bei den ersten beiden Wörtern noch ganz gut. Nehme ich dieses Blatt ein paar Tage später zur Hand, um die Notizen zu lesen, kann ich sie vermutlich nicht mehr entziffern. Kugelschreiber sind für mich nicht nutzbar. Höchstens für eine Unterschrift.

Genauso verhält es sich mit dem Punktraster. Wie kann man da drauf schreiben? Ich habe die Vermutung, dass die vielen einzelnen Punkte mich total aus dem Konzept bringen und meine Hand mit dem Stift die Punkte verbinden möchte. Dabei soll sie bitte Wörter auf das Papier bringen. Übrig bleibt die Gewissheit, dass Punktraster raus ist. Leider musste ich letztens sehen, dass viele der schönen Notizbücher mittlerweile genau damit angeboten werden. Ich hoffe, das ist nur eine Modeerscheinung, die irgendwann wieder verschwindet.

Am besten komme ich mit Linien und Kästchen zurecht. Mein Tagebuch hat natürlich Linien. Notizen mache ich zumeist auf Papier mit Kästchen. Die Kästchen erlauben eine gewisse Struktur aufzubauen. Das ist etwas, das ich ganz oft beim Notieren mache, um Sachverhalte zu verbinden. Das geht auf Blankopapier auch, aber da schreibe ich nicht so gerne drauf.

In das Tagebuch schreibe ich nur mit Tinte. Überwiegend mit einem Tintenfüller, hin und wieder auch mit einem Ohto Tintenroller. Die Tintenroller von Ohto sind wirklich klasse. Beim Tintenfüller habe ich zwei im Einsatz. Einmal einen Kolbenfüller von Pelikan und einmal einen Patronenfüller von KaWeCo.

In den letzten Jahren haben sich meine Schubladen auch mit Bleistiften angefüllt. Ich kaufe und nutze ausschließlich die Bleistifte von Blackwing. Von denen gibt es drei Standardausführungen in verschiedenen Härten, aber, zu meinem Leidwesen, auch Sonderausgaben. Es sind diese hübschen Sonderausgaben, die bereits zwei Schubladen ausfüllen. Nun, jeder hat ein Laster, das ist eben meins.

Die Bleistifte nutze ich für Kalendereinträge und Notizen. Eigentlich hatte ich mal vor, bedingt durch ein Buch von Stephen King, nur noch mit Bleistiften zu schreiben. Aber das klappt nur so halb. Für Notizen sind sie einfach unschlagbar, weil auch schnell eine Skizze damit gemacht ist.

Für mich gehört die Wahl eines guten Schreibgerätes zur Schreibkultur dazu. Ich schreibe gerne und möchte dabei auf nichts verzichten. Angefangen vom Gerät, über das Papier, bis hin zur Auswahl ob es dazu einen Kaffee oder einen Wein gibt. Ja, ok, die Getränkeauswahl richtet sich auch nach der Tageszeit. Was ich damit eigentlich ausdrücken möchte ist, dass es für mich so etwas wie ein Schreibgefühl gibt. Etwas, dass mir das Schreiben leichter macht, auch wenn die Themen manchmal recht schwer wiegen.

Gehört ihr auch zu dem Kult der Schreibgerätegläubigen, oder ist es für euch egal, womit ihr auf welches Papier etwas aufschreibt?