Damals

Seit einigen Jahrzehnten schreibe ich Dinge in das Internet. Ich kann gar nicht mehr genau aufzählen, welche Dienste ich bereits nutzte, um Gedanken, Meinungen und Erkenntnisse öffentlich auszudrücken. Angefangen hat es, wenn ich mich richtig erinnere, mit Chaträumen bei Compuserve. Das ist so lange her.

Weil das so lange her ist, war ich damals ein junger Mann. Als eben dieser hatte ich natürlich zu vielen Dinge eine andere Meinung, einen anderen Kenntnisstand als heute. Über die Jahre hat sich vieles verändert. Ganz besonders ich als Mensch. Deswegen betrachte ich alles, was im Laufe der Zeit von mir geäußert wird, als eine temporale Erscheinung. Ich habe heute eine Meinung, morgen kann sie sich ändern, weil sich etwas ändert, mehr Wissen verfügbar ist oder im Austausch ein Fehler erkannt wird.

Ich finde es gut, dass wir so sind. Wir lernen, entwickeln uns, können bei der Wandlung der Welt dabei sein. Deswegen verstehe ich manchmal nicht, dass Menschen sich dafür schämen, was sie in der Vergangenheit in das Internet schrieben. Da ich nur für mich sprechen kann, ist meine Meinung zu mir, dass ich das damals eben war. Der Mensch, der ich zu der Zeit sein konnte. Was ich damals schrieb, ist nur für damals gültig. Heute ist gültig, was ich heute dazu schreibe und äußere. Ich schäme mich nicht für den Menschen, der ich damals war.

Wenn ich den Menschen von damals betrachte, kann ich erkennen, wie viel Entwicklung dieser Mensch bis heute erfahren hat. Das ist in meinen Augen ein absolut normaler Vorgang. Wichtig erscheint mir an dieser Stelle einzig, dass ich eben genau das anerkenne und daraus die Erkenntnisse ziehe, die mich weiter bringen.

In einigen Jahren wird das hier ein Teil meines Damals sein, welches ich betrachten kann. In noch viel mehr Jahren wird es niemanden mehr interessieren, weil es mich nicht mehr geben wird. Dann werden sich eventuell meine Kinder und Enkel an mich erinnern und ihren eigenen Blick auf mich in der Vergangenheit haben. Wer oder was ich für sie war, wie sie sich an mich erinnern, wird nicht im Internet zu finden sein.

Colossus

Die Band „Borknagar“ hat auf dem Album „Quintessence“ einen Song erschaffen, der sich mit eben diesem Erschaffen auseinandersetzt. Wann immer ich ihn höre, habe ich das Gefühl, ich verstehe endlich, wie das alles hier und um uns herum entstanden ist. Je öfter ich den Song dann höre, und ich höre ihn niemals nur einmal, desto mehr manifestiere ich mich in die Szenerie. Plötzlich stehe ich mittendrin und sehe alles kollabieren, verschmelzen, gebären, entstehen und vergehen. Es ist einfach wunderbar.

Ich habe keine Ahnung, ob das Absicht war, aber das Album wurde am 01.01.2000 veröffentlicht. Vielleicht hatte das für die Band oder das Label eine symbolische Bedeutung.

Ich erlaube mir einfach mal den Song mit dem Spotifyplayer in den Beitrag zu hängen. Vielleicht spricht er euch auch so an wie mich.

Die Linie

Blick auf einen Holzpöller bei Ebbe an einem Strand, Der Pöller steht in einer kleinen Pfütze, umgeben vom nassen Sand. Weit hinten sieht man einige Häuser an der Promenade stehen, links hinter dem Pöller das Meer und ein paar Leute.

Manchmal ist das Leben ein langer ruhiger Fluß, der ohne besondere Vorkommnisse dahin fließt, sich durch die Zeit schlängelt und keine Felsen ihn im seinem Bett durcheinander wirbeln. Wir baden im Leben und genießen es, obgleich natürlich nicht alles immer nur seicht stromabwärts treibt.

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Vergessen

Foto einer Nachtszene. Im Vordergrund die kahlen Äste eines schwarzen Baums, dahinter spiegelt sich das Licht zweier Häuser auf einem Wasser.

Ich spüre so etwas wie Melancholie in mir aufsteigen, wobei ich nicht ganz sicher bin, ob dieses diffuse Gefühl wirklich eine Traurigkeit ist oder mit Schwermut vergleichbar wäre. Vermutlich ist es viel mehr, vermischt mit einer alten und einer ganz neuen Angst.

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Nichts gespürt

Die letzte Brücke war eingerissen, es gab keinen Weg zurück. Das war das, was er wollte, er hatte es so geplant und angefangen den Plan umzusetzen. Ab einem Zeitpunkt, er wusste nicht mehr genau zu sagen wann, konnte er es nicht mehr aufhalten. „Die Maschine hat 120°C und rennt“, würde man als Maschinist gesagt haben. Aber die Maschinisten hatte da noch gar keine Ahnung, dass er überhaupt einen Plan besaß.

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Bequem

Natürlich ist für uns schön, wenn es im Leben bequem ist. Bequem ist ja nichts schlechtes, sondern etwas, das wir uns aufgebaut haben und genießen können. Nicht alles ist bequem, was uns zum Glück aus der Komfortzone raus holt.

Schwierig wird es, wenn sich die Bequemlichkeit allmählich in Dekadenz verwandelt. Die Wahrnehmung verändert sich und die Bequemlichkeit wird als vollkommen normal angesehen, ja, als Maß aller Dinge hergenommen.

In unserem Verhalten verwandeln wir uns nach und nach in alles verschlingende Konsumenten, deren eigene Leistung darin besteht, zu kritisieren was andere erschaffen. Vielleicht ist das die Langeweile, die dem ständigen Konsum ein enger Verwandter ist. Vielleicht der Neid, nicht selber erschaffen zu können, vielleicht das Bewusstsein, dass wir genau wissen was los ist, wir es aber nicht ändern wollen.

Als Konsumenten haben wir unsere Verantwortung abgegeben und wurden selber zum Produkt. Aber in der dekadenten Bequemlichkeit kam das gerade recht, denn Verantwortung kann belasten und Stress verursachen.

Jetzt bricht aus der bequemen Ecke ein großes Stück einfach weg. Vermutlich unwiederbringlich. Es ist ein Augenöffner und die Dekadenz tropft an uns herunter, wir wehren uns innerlich mit allen Mitteln. Aber wir können es nicht aufhalten und irgendetwas in uns schreit: „Lass es gehen! Vergiss es und starte neu!“

Wir fangen neu an und es ist nicht leicht. Wir müssen selber denken und Lösungen finden. Technische Anforderungen, dabei hat uns die Technik dahinter nie interessiert, neue Regeln und im Kopf noch das alte, erlernte Verhalten gespeichert.

Das Aufbrechen der Bequemlichkeit ist der Moment, der alle Möglichkeiten, die schon immer vorhanden waren, nochmals vor uns ausrollt, anpreist und wir nur zugreifen müssen. Viele haben zugegriffen und die Phase des Lernens und Erkennens beginnt.

Jetzt arbeiten wir daran es wieder bequem zu haben. Und hoffentlich vergessen wir nicht, was daraus entstehen kann und machen es dieses Mal besser, schöner und netter. Ich freue mich darauf.

Verteiltes Lebenlassen

So richtig weiß ich gar nicht, wo ich bei diesem Text anfangen soll. Es geht im Grunde darum, dass mir Menschen im Internet weitestgehend kostenlos Inhalte zur Verfügung stellen. Bei mir geht es da vor allem um Kunst in Bildform. Da gibt es einige Künstler:Innen, die sprechen mich mit ihren Arbeiten ungemein an. Und damit haben wir schon das richtige Wort im Kontext: „Arbeiten“.

Das wird leider im Internet oftmals einfach übersehen, dass diese Menschen in ihre Kunst investieren. Natürlich machen sie es, weil es etwas ist das ihnen selber Freude bereitet. Aber auch Künstler:Innen müssen von etwas leben. Ich kann ihnen gar nicht hoch genug anrechnen, dass sie ihre Kunst, also ihre Arbeit, in den sozialen Medien kostenlos zur Schau stellen. Wobei das oftmals nur ein kleiner Ausschnitt aus ihrem gesamten Schaffen sein kann.

Natürlich kann sich nicht jede:r monatlich ein größeres, teures Werk von verschiedenen Künstler:Innen leisten. Hier und da mal eine Tasse, ein Shirt oder eben ein anderes Gadget, um zu unterstützen. Für mich ist dabei aber der Nebeneffekt, dass ich halt immer mehr Zeug in der Wohnung habe. Ich könnte an dieser Stelle ein Foto unseres Küchenschranks mit den Tassen zeigen, lasse es aber lieber sein…

Eine bessere, vielleicht nicht ganz so bekannte Möglichkeit, bieten viele Künstler:Innen auf Plattformen wie z.B. Ko:Fi oder Patreon an. Dort kann man als Unterstützer mit Kleinstbeiträgen dazu beitragen, dass die Kunst weiter leben kann. Ich stelle mir das immer so vor, dass nicht wenige viel zahlen, sondern viele wenig. Theoretisch könnte jeder, der es sich selber leisten kann, der die Kunst genießt, mit einem oder zwei Euro pro Monat schon etwas tun. Wenn das viele bei unterschiedlichen Künstler:Innen machen, ist am Ende allen geholfen.

Wir können die Kunst weiter genießen, haben dabei ein gutes Gewissen und die Künstler:Innen fühlen neben der monetären Unterstützung auch eine Wertschätzung aus der Gesellschaft. Vielleicht bin ich an der Stelle zu naiv, oder mache es mir selber zu einfach. Dennoch denke ich, dass es tatsächlich so einfach sein könnte. Bei vielen Dingen, nicht nur bei der Kunst.